Hier ist wieder der „Evil’s Corner“, zum zweiten Mal bereits, doch beinahe hätte es kein zweites Mal gegeben! Denn vor wenigen Stunden blickte ich direkt in das Gesicht des absolut Bösen, und sein Name ist Kanada. Das wusste schon Johannes der Apokalyptiker, als er auf dem Höhepunkt seines Schaffens schrieb:
„Und ich sah ein gewaltiges Tier aufsteigen, das trug eine brennende Waschbärfellmütze und ein Holzfällerhemd voll mit abscheulichen Lästerungen, und zehn Provinzen wuchsen ihm aus dem schwefeldampfverätzten Loche seines Arsches heraus, eine grauenhafter als die andere, und auf der Stirn hatte es drei Territorien, deren Hauptstädte hiessen Yellowknife, Whitehorse und den Namen der dritten habe ich nicht genau verstanden, aber auf jeden Fall überkam mich bei ihrem Anblick das nackte Grauen, und ich kann jedem nur raten, nie einen Fuss in dieses ver****te Land zu setzen!“
Johannes hat Recht gehabt. Das wusste ich spätestens, als ich fünfzig Kilometer vor Quebec mit dem Mietauto in einen fürchterlichen Schneesturm geriet, auf dem Highway eine Pirouette drehte und abschliessend irgendwo reinkrachte.
„I close my eyes and pray for the end“, war der Gesang der kanadischen Prog-Death-Metal-Band “Into Eternity” gerade noch aus den Boxen gedrungen.
War es das gewesen? Ein schneller, Rockstar-mässiger Tod? Hatte ich den „Highway to Hell“ gewählt? Würde mir Bon Scott persönlich einen hochprozentigen Willkommensdrink offerieren?
Mais non!
Miserables Französisch war das erste, mit dem ich konfrontiert wurde, als ich meine Sinne wieder einigermassen beieinander hatte.
„Vous avez besoin de l’aide?“
Goddamned! Das hatte mit „Rockstar“ nun wirklich nicht das Geringste zu tun! „Vous avez besoin de l’aide?“ - und dann auch noch vollkommen beschissen ausgesprochen! War ich betrogen worden? War ich in irgendeinem Scheiss-Chanson-Himmel gelandet, voll mit ungepflegten knautschgesichtigen triefäugigen französischen Schnulzensängern, die „Patrice“ oder „Bertrand“ oder „Didier“ hiessen? Fuck!
(Man beachte bitte meine Rockstar-mässige Ausdrucksweise in der vorangegangenen Passage. Vielen Dank.)
Nun ja, um es kurz zu machen: ich habe den Unfall unbeschadet überlebt, und jetzt sitze ich in einem Hotelzimmer in Quebec und muss so schnell wie möglich diese Kolumne fertig schreiben. Ich habe noch knapp 600 Zeichen, um die Kanadier niederzumachen. Ihr Französisch ist nicht das Schlimmste, oh nein! Noch unerträglicher ist, dass sie alle wahnsinnig laut husten und riesige plumpe Köpfe haben und kleine stumpfe Augen, das macht mir grosse Angst! Das Maximum an Boshaftigkeit sind aber ihre fusseligen Frottee-Badetücher. Die sind evil, richtig evil! Sie werden mich noch lange in meinen Alpträumen verfolgen. Ich werde nächstes Mal vielleicht näher darauf eingehen, falls das gewünscht werden sollte.
Au revoir, und nicht vergessen: „Got to succeed, if not it's Satan's fall!”
Am 16. Mai 1998 habe ich mit dem Rauchen aufgehört. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich 80 Zigaretten pro Tag geraucht, und zwar von meinem dritten Lebensjahr an. Im Kindergarten war ich mit Abstand der Coolste, ich besass damals so eine kleine Harley, mit der habe ich immer alle über den Haufen gefahren.
Mit viereinhalb habe ich die Kindergärtnerin flachgelegt, sie hiess Frau Marugg und war schon über sechzig, hatte aber immer noch einen Hammer-Körper. Ich liess mir danach ein Tattoo stechen, „Frau Marugg forever“. Zusammen sind wir jeden Abend durch die übelsten Kneipen Churs gezogen. Wir haben’s überall miteinander getrieben, im Fontana-Park, im Stadtbus, auf dem Regierungs-Plätzchen. Regelmässig haben wir uns mit der Stadtpolizei wilde Verfolgungsjagden geliefert, doch die dämlichen Wichser haben uns kein einziges Mal gekriegt. Fuck, das war schon eine geile Zeit.
1982, ich war in der 2. Primar, kam die Platte „The Number of the Beast“ von Iron Maiden raus. Sie wurde zu meinem Lebenselixier. Zu den Klängen des Titeltracks zündete ich eines Nachts das Schulhaus an. Oh Mann, konnte das Leben schöner sein? Ich hatte pechschwarze Locken bis zum Arsch, und ich war frei.
Die nächsten paar Jährchen bin ich in der Welt herumgezogen, ohne konkretes Ziel. „Sweet sweet childhood“, sage ich einfach mal als Stichwort. Aber jede Menge Alkohol und Weiber mussten dran glauben, oh
yeah!
Na ja, und am 16. Mai 1998 habe ich dann wie gesagt mit dem Rauchen aufgehört, und ich weiss nicht, aber irgendwie ist mein Leben seitdem einfach nicht mehr so wie früher ... da ist immer dieses Gefühl, früher sei alles aufregender gewesen ... Möglich, dass man die Vergangenheit diesbezüglich gerne ein bisschen glorifiziert ... Aber die Unmengen von Nikotin und das ganze andere Zeugs in den Zigaretten, das alles hatte halt schon einen Einfluss aufs Hirn oder auf was auch immer ... Laufend versuche ich, mit dem Rauchen wieder anzufangen, aber es will einfach nicht klappen ... der einzige Effekt, der sich einstellt, erschöpft sich darin, dass mein Halszäpfchen anschwillt und ich fürchterliche Halsschmerzen bekomme und die ganze Nacht nicht schlafen kann.
Wie sagte der grosse Indianerhäuptling „Smoking Cactusbeetle“ in seiner glorreichsten Stunde?
„Begrabt meine Raucherlunge an der Biegung des Flusses“.
Ich glaube, ich weiss, was er damit gemeint hat.
(Sentimentale Abspannmusik).
This is the King of Evil speaking!
Heute beschäftigen wir uns mit der Frage eines Lesers aus Winterthur West. Er schreibt mir in krakeliger Handschrift:
„King of Evil, ich glaube, meine Grossmutter ist vom Teufel besessen! Letzte Nacht hat sie sich stundenlang in ihrem Bett hin- und hergeworfen und wild mit den Augen gerollt und ununterbrochen in einer fremden Sprache vor sich hingebrabbelt, ich glaube, es war Mittel-Aramäisch! Help! Ueli.“
Ja, lieber Ueli, kann schon sein, dass das Mittel-Aramäisch war, aber das kann schliesslich jeder behaupten! So einfach wollen wir es der Alten nicht machen!
Wenn sie das nächste Mal wieder so einen Anfall hat, kontrolliere, ob die meisten Wortwurzeln ein Gerüst aus drei Konsonanten aufweisen, welche das Significans eines Lexems bilden und in der Morphologie unverändert bleiben. Vom Rachen abwärts müssen die Konsonanten empathisch (wie ja jeder weiss, gibt es im Mittel-Aramäischen regelmässig emphatische Pendants zu /t, d, s, z/) und eher velarisiert oder pharyngalisiert sein. Färbt die sekundäre Artikulation auf den Folgevokal beziehungsweise die ganze Silbe ab, müssen die emphatischen Konsonanten mit Unterpunkt artikuliert werden! EXTREM WICHTIG: Der definite Artikel muss links prokopiert und rechts assimiliert werden. Es gibt keinen Infinitiv, daher regieren Kontrollverben finite Komplementsätze! Im Relativsatz wird die Leerstelle durch ein resumptives Pronomen bezeichnet, oh yeah!
Okay, bis jetzt war’s ja noch easy ... Aaaaaaber:
- Kongruiert das Adjektivattribut mit seinem Bezugsnomen in allen nominalen Kategorien?
- Steht in positiven präsentischen Sätzen mit nominalem Prädikat eine Kopula oder nicht?
- Entstehen Kasusrelationen hauptsächlich durch Adpositionen - ja oder nein?
Kann Deine Grossmutter auf eine dieser Fragen nicht antworten, ist sie eine miese Schwindlerin! So viel ist mal sicher! Und noch nie war mein traditioneller Schluss-Satz so angebracht wie diesmal:
„Got to succeed (in theMiddle-Aramaic-Test), if not it's Satan's fall!”
EVIL is my game,
and KING OF EVIL is my name!
Ein Leser aus Mels, Mals oder Mols (ich konnt’s nicht richtig lesen) stellt mir folgende Frage:
„Sehr geehrter Herr King of Evil, ich würde Sie gerne etwas fragen, nämlich: Was soll ich mir zu Weihnachten wünschen? Mit vorzüglicher Hochachtung: Philip-Amadeus Fantaguzzi.”
Du sprichst ein top-aktuelles Thema an, Philip-Amadeus! Weihnachten steht tatsächlich wieder vor der Tür! Aber damit müssen wir uns wohl abfinden, wie mit allem, was sich nicht mit TNT aus der Welt schaffen lässt (was im Endeffekt aber doch eine ganze Menge ist).
Für mich persönlich kommt nur ein Weihnachtsgeschenk in Frage: ein Paar Unterhosen aus Zauberstahl, hergestellt in der Werkstatt von Zwerg Pimmli und seinen hammerharten Spiessgesellen GmbH.
Unterhosen von Zwerg Pimmli zeichnen sich durch höchste Qualität aus. Alle Produkte sind mundgeblasen vom Feuerdrachen Gugelmir und müssen für mindestens 600 Jahre bei 100'000 Grad im magischen Backofen Smiggor vor sich hin brutzeln.
Der Zauberstahl stammt nur von den besten Stahlschafen, die auf dem sagenumwobenen unterirdischen Kontinent Mortlach ihr Unwesen treiben. Über diese Stahlschafe könnte ich euch Geschichten erzählen ...
Es gibt drei Unterhosenmodelle:
- Modell „Defenders of Eternal Freedom“: 325 Kilogramm schwer - Erhältlich in den Grössen XXL und XXXL – Drei magische Druckknöpfe im Schritt - Messiah Marcolin von Candlemass schwört darauf.
- Modell „Fight, Fight, Fight“: 170 Kilogramm schwer – Dekorative Zickzack-Kanten – Zebramotive. Na ja, nicht ganz mein Fall ...
- Modell „Scream in the Night“: 208 Kilogramm schwer – Feinrippqualität – Sehen ein bisschen aus wie ein verbeulter Range Rover. Leicht gewohnheitsbedürftig, aber alles in allem nicht schlecht.
Okay. Nächstes Mal verrate ich euch, was man mit den Zauberunterhosen sonst noch so alles anstellen kann ... Bis dahin:
„Got to succeed, if not it's Satan's fall!”
The King of Evil says „Hello! /
Welcome to the satanic show!“*
(* = wieder einmal selbst gedichtet, weil es das vorletzte Mal so gut ankam)
Heute starte ich versuchshalber eine neue Serie, sie heisst „Evil Mama (don’t mean me no good)“, in lockeren Abständen portraitiere ich jeweils die Mutter eines berühmten Heavy-Metal-Stars, und ihr müsst dann entscheiden, welche die böseste Heavy-Mutter aller Zeiten ist, alles klar? Ihr könnt auch Vorschläge machen, welches fiese Mütterchen ich als nächstes interviewen soll (meine e-mail-Adresse steht unten).
Als erste habe ich Shrimpcocktail F. King, die Mutter von Slayer-Gitarrist Kerry King, besucht. Shrimpcocktail F. King lebt in einem Altersheim in Marina del Rey, einem freundlichen Küstenstädtchen nahe Los Angeles, und sie macht mir einen recht rüstigen Eindruck, als sie mich in ihr Zimmer lässt. Sie heisst mich auf ihrem selbstgemachten Biedermeiersofa Platz zu nehmen und bietet mir einen Crevettencocktail an, den ich natürlich nicht ablehne, der aber automatisch zu meiner ersten Frage führt: „Frau King, warum heissen Sie ‚Shrimpcocktail’ mit Vornamen?“
„Das ist eine lange Geschichte“, seufzt Frau King, „Eine verdammt lange Geschichte. Und ich glaube nicht, dass du sie wirklich hören willst, Sohn.“
„Okay, zweite Frage“, fahre ich beflissen weiter, „Wann fährt der nächste Bus zum LAX-Airport? Ich muss eben leider schon wieder abdüsen, aber obwohl ich die Zeit für das Interview ein bisschen knapp einkalkuliert habe, glaube ich, dass sich die ROCKSTAR-Leser bereits ein ziemlich gutes Bild von Ihnen machen können. Thanks a lot und stay weiterhin heavy, Misses King!”
Mit einem kräftigen Händedruck verabschiede ich mich von Frau King. Überraschend zückt sie ein Taschentuch, auf dem eine Crevettenfamilie beim Abendessen zu sehen ist, und winkt mir damit lange nach ...
So viel für heute. Gebt Frau King jetzt eine Note von 1 („Nina Havel“) bis 666 („Evil wie die Hölle“), und vergesst nicht:
„Got to succeed, if not it's Satan's fall!”